Elisabeth-von-Rantzau-Schule
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  • 24. Februar 2020

    Die Insel als Zugabe

    Wie funktioniert die Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher? Was gehört zu einer praktischen Prüfung? Ein Besuch in der Caritas Mutter-Kind-Klinik Langeoog.

    Mit Kindern gestalten

    Einerseits sind die Kinder in einer Kur- und Erholungsmaßnahme ganz normale Kinder. Andererseits spüren sie Erschöpfung und Ausgebrannt sein ihrer Mütter. Alle müssen sich auf eine ungewohnte Umgebung einstellen, zudem sind manche der Kleinen selbst gesundheitlich belastet. Kurz: Anspruchsvolles Arbeiten für Erzieher*innen und solche, die es werden wollen. Die Sozialassistentinnen Kimberly Krückeberg, Vanessa Krone und Carolin Boner besuchen die Elisabeth-von-Rantzau-Schule der Caritas, berufsbildende Schule für Sozialwesen. Von Januar bis März 2020 absolvierten sie ein elfwöchiges Praktikum in der Mutter-Kind-Kur-Klinik Langeoog.

    300 Kilometer bis zum Schiff

    Schulleiter Prof. Alois-Ernst Ehbrecht ist vor Tau und Tag gestartet, um die erste Fähre um 06:45 Uhr ab Bensersiel zu nehmen. Das kleine Bordbistro ist geöffnet. Ehbrecht kommt mit zwei Tassen Kaffee zurück. „Die erste Prüfung beginnt um acht“, sagt er. „Bis Mittag drei Schülerinnen. Vielleicht reicht es noch für 10 Minuten am Strand. 14:30 Uhr zurück ans Festland können wir schaffen.“

    Kimberly Krückeberg ist ein wenig aufgeregt, was unter anderem daran liegt, dass ein Kleinkind in ihrer Gruppe die ganze Woche hindurch geweint hat. Wie soll das während ihrer Prüfung gehen? Sie betreut außerdem die einjährige Lynn als Bezugskind, die viel Zuwendung braucht. Während Kimberly den acht älteren Kindern der Hortgruppe das Thema erklärt, beginnt Lynn zu weinen. Kimberly schaukelt mit links behutsam den Buggy und macht ruhig weiter. Lynn beruhigt sich wieder.

    Vier Kinder zwischen zwei und drei Jahren führen mit Kimberly eine Klanggeschichte auf. Dazu gehen sie in einen

    ein ganz besonderes Angebot

    separaten Raum. Das Quartett besteht aus selbstgebastelten Instrumenten: eine leere Wasserflasche mit Muscheln, Brotdose, Ratsche und ein Klangpilz. Damit ahmen die Kinder die Geräusche von Wind, Wellen, Möwen und Fischen nach. Das klappt dank Kimberlys geduldiger Anleitung prima. Einige Wellen erinnern tatsächlich an die 300 Meter entfernte Nordseebrandung. „Hanna ist schon dreieinhalb, das macht viel aus“, sagt Kimberly. Die beiden Jungen sind erst zwei Jahre und klappen gerade den Teppich hoch.

    Kimberlys mehrseitiges Konzept ist akribisch ausgearbeitet. Die „Lehrprobe“ läuft wie am Schnürchen, die Kinder machen gut mit. Auch die Nachbesprechung überzeugt. Am Nachmittag, das ist klar, werden die Kinder ihre Mütter an die Hand nehmen, Wasserflaschen ausleeren und Muscheln sammeln gehen.

    Flossen über dem Kopf

    Ein Gebäude weiter hat Vanessa Krone ein unvollendetes Wandgemälde zu ihrer Prüfungsaufgabe gemacht. Zunächst erklärt sie den 16 Kindern zwischen acht und 13 Jahren die Spezies Seepferdchen anhand eines Frage- und Antwortspiels. Seepferdchen werden etwa 1,3 bis 35 Zentimeter groß. Sie sind die langsamsten Schwimmer im Wasser, vermögen dank ihrer Flossen über dem Kopf aber in alle Richtungen zu navigieren. Und: Sie können ihre Farbe ändern.

    Ein gutes Motto für die Malaktion, die sich jetzt für eine Gruppe von sechs Kindern anschließt: Auf der Wand sind die Konturen eines riesigen Seepferdchens vorbereitet, das aus vielen einzelnen Feldern besteht. Jeweils vier Kinder klettern, mit Pinsel und Farbteller bewaffnet, auf ein Podest und legen los. „Wer hat das helle grün?“ – „Können wir auch die Finger nehmen?“ – „Oh, ich darf das Auge malen!“ Vanessa führt ruhig Regie. Die Kinder mischen Farben, bunt wie der Regenbogen, sie arbeiten lebhaft, achten aber gut aufeinander. Die zuschauenden Erzieher*innen und Herrn Ehbrecht, die die Prüfung abnehmen, beachten sie mit keinem Blick.

    Wer hat mal einen größeren Pinsel?

    „Was entsteht aus schwarz und orange?“, fragt Leoni plötzlich. „Das musst Du ausprobieren“, antwortet Vanessa. Jetzt ist Luisa versehentlich in ihren Farbteller getreten. Unaufgeregt zieht Vanessa ihr den Turnschuh aus und tupft die Sohle sauber. Annalena und Ben tauschen ihre Farbteller, Mathilde wischt einen dicken Klecks vom Handrücken an ihrem Umhang ab. Nur noch ein paar leere Felder sind weiß, das Seepferdchen schimmert an der Wand.

    Auch Vanessa arbeitet mit einem exakten Plan – inklusive Aufräumen und Händewaschen. „Zeit ist um. Wir gehen in den Waschraum. Macht die Klinken mit den Ellenbogen auf“, instruiert sie die Kinder.

    Inzwischen ist es Mittag. Einige Mütter warten vor dem Kinderzentrum. Die Tür geht auf, Leoni kommt heraus. „Wir haben ein Bild an die Wand gemalt“, ruft sie stolz zu ihrer Mutter. „Willst Du mal sehen?“

    „Komm, wir gehen Mittagessen, und danach legen wir uns hin“, sagt eine andere Mutter zu ihrer kleinen Tochter. Kürzer kann man die Wirkweise einer Mutter-Kind-Kur nicht beschreiben: Die Zeit anhalten, den Wellen lauschen, kreativ sein – und Mittagsschlaf.

    „Es ist sehr schön hier, fast wie in der Karibik“, schwärmt Kimberly. Sie hat, wie ihre zwei Mitschülerinnen, ein sehr gut für ihre Prüfung erhalten. „Ich bin komplett glücklich“, sagt sie. Die drei Erzieherinnen-Talente begleiten ihren Schulleiter noch zur Inselbahn. Die zweite Kurwoche läuft ab, übernächste Woche reisen neue Frauen und Kinder an. Arbeit unter Mutter-Kind-Kur-Bedingungen ist ein Intensiv-Kurs. Plus Insel-Feeling als Zugabe.

    HERIBERT SCHLENSOK

    In: Pressemitteilungen