Elisabeth-von-Rantzau-Schule
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  • 24. Oktober 2016

    Aus offenen Händen sprudelt das Wasser

    Verein Brücke der Kulturen übergibt neuen Brunnen im Magdalenengarten / „Klare Bereicherung“ für die ganze Anlage / Mittelpunkt für Garten der Länder

    Helmut Speer (Vierter von links) und die Initiatorin Dilek Boyu (rechts) erläutern den Sponsoren den neuen Brunnen (Foto: Hartmann)

    Helmut Speer (Vierter von links) und die Initiatorin Dilek Boyu (rechts) erläutern den Sponsoren den neuen Brunnen (Foto: Hartmann)

    HILDESHEIM. Die Zahl der Brunnen in Hildesheim ist überschaubar. Jetzt kommt ein neuer dazu: Der Elisabeth-von-Rantzau-Brunnen im Magdelenengarten sprudelt nicht nur zur Erfrischung der Gartenbesucher, er soll auch an eine sozial engagierte Wohltäterin erinnern. Man könnte sie als Brückenbauerin zwischen Flüchtlingen und Andersgläubigen bezeichnen. Die Idee für den Brunnen kam nämlich von Dilek Boyo, der Vorsitzenden des Vereins „Brücke der Kulturen“. Sie dankte bei der Übergabe des Brunnens nicht nur dem Magdalenenhof-Leiter Michael Sackmann von der Diözese Hildesheim, Eigentümerin des Gartens, sondern auch den Förderern Janet Hurst-Dittrich (Kulturstiftung der Sparkasse) und Milano Werner (Kreiswohnbau). Sackmann sieht den Brunnen als klare Bereicherung des Gartens, der sich seit seiner Wiederherstellung 2002 immer weiter entwickele. Gartenplaner Hans-Joachim Tute wies darauf hin, dass mehrere Kunstwerke den Garten zieren: Gegenüber des neuen Brunnens steht eine 250 Jahre alte Sandstein-Statue der Göttin Ceres, an der anderen Seite eine Madonna aus den 1920er Jahren. Man bemühe sich immer, „den Garten interessanter zu machen“ sagte er. Ein Garten müsse heute weitaus mehr sein als eine Grünanlage, er könne ein Ort der Bildung sein.

    Der Künstler Helmut Speer erläuterte den Brunnen, den er (in Zusammenarbeit mit Simon Riedel) aus Thüster Kalksand- stein gehauen hat: Zwei geöffnete Hände symbolisieren den täglichen Umgang mit dem lebenswichtigen Element Wasser. „Das Wasser spielt mit den Händen, es plätschert nicht, sondern rinnt in das Auffangbecken.“ Der Brunnen steht derzeit vor der rekonstruierten Mauer aus Sandsteinen, die den Garten abgrenzt. Hinter dieser Mauer stand einst das Kloster und spätere Kinderheim Klein-Bethlehem, das Elisabeth von Rantzau gegründet hat. Darauf wies Alois-Ernst Ehbrecht hin, Leiter der gleichnamigen Schule.

    Nun fehlt nur noch der Rahmen: Hinter dem Brunnen plant Tute eine Rankwand mit Rosen. Der Brunnen wird später Mit- telpunkt des Gartens der Länder. Angelegt mit Pflanzen aus den Herkunftsländern der in Hildesheim lebenden Menschen aus anderen Kulturen – ein Anliegen des Ver- eins „Brücke der Kulturen“.

    Elisabeth von Rantzau – eine Nonne mit Mumm

    Sie war eine ungewöhnliche Frau, diese Elisabeth von Rantzau: 1625 wird sie in eine lutherische Adelsfamilie hineingeboren. Mit zwölf heiratet sie Josias von Rantzau, 20 Jahre älter als sie und Soldat. Die Ehe bleibt kinderlos. Ihr Mann wird Marschall des französischen Königs Ludwig XIII., sie geht mit nach Paris. Dort beeindruckt von Vinzenz von Paul, Vordenker der Caritas, konvertiert sie 1643 zum Katholizismus. 1650 stirbt ihr Mann an Kriegsverletzungen. Die junge Witwe (25) wird Nonne bei den Annunziaten, bald darauf Priorin. 1666 entschließt sie sich, in Hildesheim ein Annunziatenkloster zu gründen. Der Rat legt ihr Steine in den Weg, mithilfe eines Strohmanns kauft sie ein kleines Häuschen, das schnell als „Klein Bethlehem“ bekannt wird. Es wird zur Flüchtlings- unterkunft für norddeutsche und dänische Frauen, die (nach Ende des Dreißigjährigen Krieges) aus Glaubens- gründen nicht zu ihren Familien zurück- kehren können. Nur weg von der Straße – nach diesem Motto nimmt das Kloster junge Frauen auch aus der Region auf, unabhängig von Herkunft und Konfes- sion, und vermittelt ihnen – damals sehr ungewöhnlich – eine Ausbildung. 1702 stirbt sie. Ihr „Klein Bethlehem“ überdauert, wird Kinderheim der Vinzentinerinnen – bis es 1945 im Bombenhagel untergeht. Der Caritasverband benennt seine Berufsschule nach der „bedeuten- den Hildesheimer Persönlichkeit“ (Schulleiter Ehbrecht), die „auch heute ein Vorbild der Toleranz sowie beeindruckende Brückenbauerin für Geflüchtete und Andersgläubige“ sei (Dilek Boyu).

    (Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 19.19.2016; Fotos und Text: Peter Hartmann)

    In: Presse, Pressespiegel